Einleitung
Einleitung zur kommentierten Übersetzung der Reisefassung M von Brandans Meerfahrt
Maximilian Frey, Marigona Nazifi, Aurelia Schmoldt, Miriam Strieder
Vorbemerkung
Die kommentierte Übersetzung von Brandans Meerfahrt wäre ohne die grosszügige Förderung der philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern im Herbstsemester 2024 im Format «Inspirierte Lehre« nicht möglich gewesen. Besonderer Dank gilt Frau Prof. Dr. Cristina Urchueguía, die uns auch ermöglicht hat, den Text und unsere gemeinsame Arbeit daran am 12.12.2024 im Rahmen der Vorlesungsreihe des Berner Mittelalterzentrum zum Thema »Reisen im Mittelalter« zu präsentieren. Zudem sind wir dankbar für die technische Unterstützung durch das Data Science Lab der Universität Bern – Herr Peter Dängeli hat für uns kompetent und hilfsbereit die technische Aufbereitung unserer Daten übernommen. Zuletzt möchte ich ganz herzlich meinen Studierenden aus dem Herbstsemester 2024 danken, die sich an dieses Lehrprojekt herangewagt haben, und von denen sich die meisten direkt nach einer Einführung ins Mittelhochdeutsche gleich an die Königsdisziplinen Übersetzung und Kommentierung gewagt haben – es hat mir sehr viel Freude gemacht, Brendan mit Ihnen »zu Leibe zu rücken«.
Im Folgenden werden für die Benutzung und das Verständnis des spätmittelhochdeutschen Texts Hinweise gegeben, die a) den Text selbst, seine Entstehung und Überlieferung beleuchten, b) historische und literarische Kontexte erläutern, c) das Nachleben von Brendans Seereise in den Fokus nehmen und schliesslich d) das Vorgehen beim Erstellen der kommentierten Übersetzung vorstellen. Für eilige Leser*innen wird jeder thematische Fokus mit einer thematischen Einführung eröffnet und einer Schlussbemerkung mit fazitartigem Charakter beschlossen. Im Anschluss folgt ein ausführliches Literaturverzeichnis.
Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf Brandans Meerfahrt und, wo nötig, auf die Navigatio. Alle Stellenangaben von Brandans Meerfahrt beziehen sich ebenso wie Übersetzung und Kommentar auf folgende Ausgabe: Sanct Brandan. Ein lateinischer und drei deutsche Texte. Besorgt von Carl Schröder. Besold 1871.
a) Vorstellung des Textes
Thematische Einführung
Erzählungen rund um die Seereise des Heiligen Brendan erfreuen sich im Mittelalter und darüber hinaus einer grossen Beliebtheit, die durch die lange Überlieferungszeit und die grosse geographische Verbreitung der Textzeugen deutlich wird. Der Text über die Seefahrt des Schutzpatrons aller Reisenden und Seeleute wird immer wieder aktualisiert und durch Illustrationen attraktiv und relevant gehalten1, sodass er bis ins 17. Jahrhundert hinein gedruckt wird und zugleich Wissen über Gottes Schöpfung und die Bibel anschaulich und unterhaltsam vermittelt2.
Inhalt
Die sog. Reisefassung der Navigatio Sancti Brendani, auch bekannt als Brandans Meerfahrt, unterscheidet sich von dieser insbesondere durch eine Rahmenhandlung, mit der der Text beginnt und die zugleich dazu dient, den Protagonisten Brendan dem Lesepublikum vorzustellen: Leser*innen (bzw. zeitgenössisch vermutlich auch Hörer*innen) erfahren von Brendan in den ersten Versen, dass er so gelehrt ist, dass er unermüdlich liest, um mehr über die Welt zu erfahren, aber dass er den Wundern, die in den Büchern beschrieben werden, immer mehr Zweifel entgegenbringt, bis er schliesslich seine Lektüre verbrennt und deren Verfasser verflucht. Erst durch göttliche Intervention wird Brendan dazu gebracht, als Busse für seine Bücherverbrennung selbst aufzubrechen, um die angezweifelten Wunder selbst zu besichtigen. Diese Wunder stellen sich im Verlauf der Reise als verschiedene Stationen dar, die in der Gliederung abgebildet und zusammengefasst sind. In der Forschung hat sich eine Einteilung des Werks etabliert, die für eine digitale Edition mit Hyperlinks und Verweisen auf die einzelnen Textteile nicht praktikabel ist, sodass die Bearbeiter*innen sich entschlossen, eine eigene Gliederung zu erstellen. Summarisch betrachtet ergibt sich, dass sich die verschiedenen Stationen von Brendans Reise aus ganz unterschiedlichen Quellen speisen, die in den Kommentaren immer wieder aufgezeigt werden. Brendan und seine 72 Gefährten treffen u.a. auf den Wal, der in manchen Texten als Iasconius bekannt ist, und der als Insel getarnt versucht, die Mönche in die Tiefe zu reissen, indem er plötzlich abtaucht3. Weiterhin treffen Brendan und seine Gefährten auf Judas, der für den Verrat an Jesus auf einem Felsen büssen muss, sie entkommen dem Magnetberg, begegnen den sog. neutralen Engeln und sprechen mit einem Einsiedler, dessen Geschichte ähnlich wie die des späteren Papstes Gregorius verläuft4. Aus dieser kurzen Auflistung von verschiedenen Stationen wird deutlich, dass Brendan und die Mönche Wunder besichtigen und mit diesen auch interagieren, die sich aus einer Vielzahl von Texten und Wissensformen des (Früh-)Mittelalter speisen und teilweise auch über in Westeuropa tradiertes Wissen hinausgehen. Brendan und seine Gefährten beschliessen die Reise wieder im heimischen Irland, wo sie auch gestartet sind, und nachdem der Abt seine Aufzeichnungen vollendet und damit implizit das verbrannte Buch ersetzt hat, stirbt er5.
Datierung und Quellen
Erzählungen über die teils fantastisch anmutende Reise des Heiligen Brendan kursieren vermutlich ab dem 7. Jahrhundert in Irland6. Wie so häufig lassen die frühen Überlieferungsträger auf eine mündliche Tradition schliessen, die sich in den Aufzeichnungen der Texte niedergeschlagen hat, die aber nicht mehr greifbar sind7. Bemerkenswert ist, dass evtl. mündliche Erzählungen oder aber erste Schriftfassungen der Navigatio in relativ enger zeitlicher Nähe zu den Lebensdaten des Brendan angesetzt werden können. Die heute erhaltenen, ältesten Textzeugen datieren auf das 10. Jahrhundert und lassen sich in Lothringen verorten8. Dies spricht für eine frühe Verbreitung der Erzählung vom seefahrenden Abt in Westeuropa; es ist anzunehmen, dass mit der iroschottischen Mission auf dem Kontinent auch die Texte um Brendan auf dem Festland verbreitet wurden. Da besonders die Hofschule von Karl dem Grossen Gelehrte wie Alkuin von York anzog, könnte man hier einen Konnex annehmen.
Im Laufe des Mittelalters wird die Navigatio Sancti Brendani sehr breit überliefert, was ein beredetes Zeugnis für die Relevanz des Stoffs ist, aber auch die Beliebtheit dieser Reiserzählung bezeugt. Zudem wird in den unterschiedlichen Bearbeitungen deutlich, dass die Navigatio immer wieder aktualisiert wurde, um eben jene Relevanz zu behalten. Dementsprechend wird der Text auch von der sog. zweiten Medienrevolution erfasst und schafft den Sprung in den Druck, der bis ins 17. Jahrhundert hinein dafür sorgt, dass der Text verfügbar bleibt. Die Navigatio gewinnt mit den neuen technischen Möglichkeiten an Attraktivität, sodass Illustrationen, die dem Text häufig beigegeben werden, da der Inhalt zu einer zeichnerischen Ausgestaltung geradezu einlädt, im Laufe der Zeit von Holzschnitten ersetzt werden, deren Vervielfältigung und Verbreitung den Bekanntheitsgrad der Navigatio weiter steigert9.
Insgesamt lassen sich vier Stoffgruppen ausmachen, die sich mit dem Heiligen Brendan beschäftigen. Wenig überraschend hat das Leben des Heiligen Heiligenviten hervorgebracht, die uns in fünf lateinischen und zwei irischen Versionen überliefert sind. Diese stammen aus dem 12. bis 13. Jahrhundert und weisen damit eine recht grosse zeitliche Distanz zu den angenommenen Lebensdaten des Abts im 6. Jahrhundert auf. Die Heiligenviten sind häufig interpoliert mit Stoffen und Erzählsträngen aus der folgenden Stoffgruppe10: die Navigatio, der Erzählung über Brendans Seereise, die aus der monastischen Tradition entstammt und ab dem 10. Jahrhundert überliefert wird. Der Anspruch an ein primär klösterliches Publikum wird deutlich, wenn man sich den Aufbau des Textes vor Augen führt: Im Gegensatz zur sog. Reisefassung fährt Brendan mehr oder minder im Kreis und besucht immer wieder die gleichen Destinationen bis er von seiner Suche entbunden wird und nach Hause zurückkehren kann. Die Navigatio ist mit 125 Textzeugen bis ins 17. Jahrhundert hinein breit überliefert und erreicht eine enorme geographische Ausbreitung in ganz Westeuropa; die Überlieferung ist auch und besonders in den Volkssprachen erhalten und zeugt für ein andauerndes Interesse an dem Text und für eine ungebrochene Relevanz: Brendan gilt als Schutzheiliger der Seefahrer und Reisenden allgemein – mittelalterliche Pilger, Kaufleute und andere Personengruppen, die auf Reisen gehen, wenden sich an diesen Heiligen. Erzählungen über seine Reise sind deshalb besonders dort relevant, wo Reisende zusammenkommen, z.B. in Hafenstädten.
Die zweite Stoffgruppe, die Reisefassung, zu der auch die kommentierte Übersetzung auf der Basis des von Schröder hergestellten Texts basiert, weist ungefähr zu 50% inhaltliche Überschneidungen mit der Navigatio auf. Sie wird vermutlich ab 1150 überliefert und hat wohl einen mittelfränkischen Ursprung. Sie liegt in fünf Versionen vor11 und soll im Folgenden näher beschrieben werden.
Schliesslich haben sich Miscellae erhalten, die dem Brendan-Stoff zugeordnet werden können; dabei handelt es sich um Gebete oder einzelne Episoden aus Erzählungen über Brendans Seereise12.
Erzählungen um Brendans Seereise nehmen verschiedenste Quellen und Einflüsse auf. An prominentester Stelle stehen dabei Bibeltexte. Die Anspielungen umfassen besonders bekannte Bücher wie den Psalter, Pentateuch und die Evangelien, aber auch apokryphe Texte. Zudem greift die Reiseerzählung auf (früh-)mittelalterliches Wissen zurück wie es der Physiologus überliefert, irische Erzählungen verarbeiten und wie es in kartographischen Darstellungen vermittelt wird. Zudem verweist die Reiseerzählung auf exempla, die teilweise schon von den frühchristlichen Kirchenlehrern entwickelt wurden, und kolportiert ähnliches Wissen wie andere Reiserzählungen aus der Zeit. Die Kommentare, die dieser Übersetzung beigegeben sind, machen, wo nötig und sinnvoll, diese Quellen ausfindig, zeigen Kontexte auf und geben für das Textverständnis zusätzliche Informationen.
Überlieferung der Reisefassung M
Das hier abgebildete Stemma für die gereimte Reisefassung M ist Haug 2013 entnommen13. Die bereits erwähnte, rekonstruierte Version *O ist um 1150 anzusetzen. Auf dieser basiert vermutlich ein Textzeuge A, der als Vorläufer für die rekonstruierten Versionen *C und *H basieren, die wiederum die Vorläufer der überlieferten mittelniederländischen Versionen C und H sind. Auf den Textzeugen *A gehen auch die Vorläufer *M und *N der spätmittelhochdeutschen Fassung M und der mittelniederdeutschen Fassung N zurück. Zudem basiert auch die rekonstruierte Fassung *X, aus der die Prosafassungen *P und P hervorgehen, auf dem Textzeugen *A. Deutlich wird, dass die mittelhochdeutschen, oberdeutschen, mittelniederländischen und mittelniederdeutschen Texte thematisch eng beieinander stehen. Am häufigsten ist aus dieser Stoffgruppe tatsächlich die oberdeutsche Prosafassung des Textes überliefert.

Für die hier bearbeitete Fassung M gilt festzuhalten, dass sie ins 14. Jahrhundert zu datieren ist, was sich besonders an sprachlichen Merkmalen gut zeigen lässt – der Text liegt in einem späten Mittelhochdeutsch vor.
Schlussbemerkung
Die mittelhochdeutsche Reisefassung der Erzählung von Brendan und seiner Meerfahrt kann ins 14. Jahrhundert datiert werden – sprachliche Merkmale weisen auf ein spätes Mittelhochdeutsch hin – und die enge Verwandtschaft mit den mittelniederländischen Versionen C und H sowie der oberdeutschen Prosaversion und der mittelniederdeutschen Reimfassung werden durch stemmatologische Untersuchungen, wie sie Haug durchgeführt hat, deutlich.
b) Historischer und kultureller Kontext der Navigatio Sancti Brendani
Thematische Einführung
Die Navigatio Sancti Brendani und die Figur des heiligen Brendan stehen im Spannungsfeld von historischer Realität und Überlieferung. Brendan, bekannt als einer der Zwölf Apostel Irlands, gilt nicht nur als wichtige Figur der frühen irischen Christianisierung, sondern auch als Protagonist einer der faszinierendsten Reiseerzählungen des Mittelalters. Im Folgenden werden die kulturellen und historischen Kontexte beleuchtet, die die Entstehung der Navigatio (und damit auch der Reisefassung) geprägt haben, und untersucht die Verbindung zwischen der hagiographischen Darstellung Brendans und der literarischen Gestaltung seiner Seereise. Ziel ist es, die Kontexte dieses Werkes sowohl als historisches als auch literarisches Phänomen zu ergründen.
Zwischen historischer Person und literarischer Figur
Lange bevor die Navigatio Sancti Brendani geschrieben wurde, war der heilige Brendan – auch Brendan der Reisende genannt – bereits eine bekannte und angesehene Persönlichkeit. Als einer der Zwölf Apostel Irlands14 wird er bis heute als Heiliger verehrt. Die Details seines Lebens bleiben jedoch in vielen Punkten ungewiss. Brendan wurde vermutlich 483 oder 484 in der Grafschaft Kerry im Südwesten Irlands geboren. Nach einem aussergewöhnlich langen Leben soll er im Jahr 577 oder 583 verstorben sein.15
Um das Jahr 512 wurde Brendan zum Priester geweiht und widmete sich anschliessend intensiv der klösterlichen Arbeit. Als Missionar des christlichen Glaubens bereiste er Schottland, Wales und die Bretagne, wo er verschiedene Mönchszellen gründete. Nach seiner Rückkehr nach Irland setzte er diese Tätigkeit fort und gründete das Kloster Clonfert in der Grafschaft Galway, das um das Jahr 560 entstand. Dieses Kloster entwickelte sich zu seinem bedeutendsten Lebenswerk und spielte unter seiner Leitung als Abt eine zentrale Rolle in der Christianisierung Irlands.16
Im Alter von etwa 90 Jahren zog sich Brendan zu seiner Schwester Briga, der Äbtissin von Annaghdown, zurück, wo er auch verstarb. Auf eigenen Wunsch wurde er in Clonfert beigesetzt. Brendan wird nach Saint Patrick als der populärste irische Heilige verehrt und gilt als Patron der Seeleute. Sein Gedenktag ist der 16. Mai, und seine Verehrung erstreckte sich weit über Irland hinaus.17
Berühmtheit erlangte der heilige Brendan durch die von einem anonymen Autor verfasste Prosaerzählung Navigatio Sancti Brendani (Seereise des heiligen Brendan). Vermutlich stammt die Reiseerzählung aus dem 10. Jahrhundert und ist aus einer Verschmelzung keltischer Legenden mit christlichen Vorstellungen entsprungen. Spätestens ab dem 12. Jahrhundert findet die Navigatio das erste Mal ihren Weg in die Volkssprache, nämlich das Anglonormannische.18
Die Frage, ob der heilige Brendan tatsächlich das verheissene Land, die Insel der Seligen, erreichte, wie es in der Navigatio geschildert wird, ist seit dem Mittelalter umstritten und bietet Raum für vielfältige Interpretationen. Die Erzählung wurde einerseits als spirituelle Allegorie verstanden, die das Streben nach dem Paradies symbolisiert, andererseits als mögliche Beschreibung einer historischen Seereise. Irische Nationalisten spekulierten oft, dass Brendan von Irland aus tatsächlich Amerika erreicht haben könnte – und dies Jahrhunderte vor Christopher Columbus. Kritische Stimmen hingegen weisen darauf hin, dass die Legende eher als spirituelle Allegorie zu verstehen sei und weniger als historischer Bericht.19 Unabhängig von der Wahrheit offenbart die Navigatio die tiefe Faszination, die von Brendans Figur und den Erzählungen um ihn ausgeht. Die Vielzahl lateinischer und volkssprachlicher Überlieferungen sowie die schnelle Verbreitung der Navigatio in Kontinentaleuropa und auf den britischen Inseln zeugen von seiner enormen Wirkung auf die mittelalterliche Vorstellungswelt. Nach Weidner handelt es sich bei der Erzählung um einen «Bestseller des lateinischen Mittelalters»20. In der Brendan-Tradition verschmelzen die historische Person des Klostergründers von Clonfert und die literarische Figur aus der Navigatio.21
Kontexte und Einflüsse
Die Navigatio ist wie jeder andere literarische Text ein Produkt ihrer spezifischen Entstehungsbedingungen und spiegelt in kultureller, historischer und literarischer Hinsicht die Welt wider, in der sie verfasst wurde. Trotz der Unklarheiten über ihren genauen Ursprung – sei es hinsichtlich der Zeit, des Ortes oder des Verfassers – lässt sich der keltische Charakter des Werkes erkennen. Dieser zeigt sich sowohl in der thematischen Verknüpfung keltischer Mythen mit christlicher Symbolik als auch in den Motiven und Erzählstrukturen, die noch heute tief in der irischen Kultur verwurzelt sind.22
Literarische Einflüsse
Aussergewöhnlich breit sind die Navigatio und die verschiedenen Reimfassungen mit 141 überlieferten Handschriften seit dem 10. Jahrhundert rezipiert worden. Trotz ihrer anonymen Überlieferung deuten Setting, Protagonist und Themenwahl auf einen irischen Mönch als Verfasser hin.23 Laut Weidner ist die Entstehung der Navigatio in den frühen iroschottischen Klöstern wahrscheinlich, wenngleich eine eindeutige Lokalisierung bis heute nicht möglich ist.24
Der Zusammenhang zwischen der Navigatio und der irischen Erzählgattung immrama ist hingegen offensichtlich. Der Begriff immrama wird mit «Herumrudern» übersetzt und bezieht sich auf Erzählungen von Seereisen, die in der irischen Literatur häufig vorkommen. Swank beschreibt den immram als eine Gattung, in der der Schwerpunkt auf einer ausgedehnten, abenteuerlichen Seereise liegt, anstatt auf den Erlebnissen eines Sterblichen an einem einzigen, übernatürlichen Ort. Der Protagonist einer solchen immram ist häufig ein Büssender oder Pilger.25 In der Navigatio sind, wie in den meisten erhaltenen immrama, viele speziell keltische Motive schwer zu identifizieren, obwohl der Ethos des Werkes unverkennbar keltisch ist. Dies führt zur Frage nach dem Ursprung der immrama. Viele Episoden in den immrama haben Ursprünge, die nicht als keltisch bezeichnet werden können, und hängen eher von anderen Sammelwerken ab, die letztlich aus dem Wissen der klassischen Antike stammen. Die Navigatio und andere immrama zeigen, wie kirchliche Einflüsse das Genre prägten. Diese kirchliche Prägung und die Verwendung klassischen Wissens sind Hinweise auf den theologischen Hintergrund dieser Erzähltradition. Die Gattung der immrama verbindet also heidnische Ursprünge mit einer christlichen Lesart, wobei der Einfluss klassischer und kirchlicher Quellen die Entwicklung dieses Genres massgeblich beeinflusste.26
Weiter lässt sich die Gattung der echtrai in der Navigatio erkennen. Echtrai, am besten mit «Abenteuer» oder «Ausflug» übersetzt, umfasst Erzählungen, die von besonderen Reisen und Prüfungen berichten. Diese Abenteuererzählungen beinhalten oft das Motiv einer utopischen Anderwelt, in der der Held aussergewöhnliche Entdeckungen macht – ein Thema, das auch in der Navigatio Anklang findet. In diesen Erzählungen können heidnische Gottheiten und andere keltische Weltwesen problemlos und ohne Unstimmigkeiten agieren. Das zentrale Thema bleibt stets dasselbe: Der Held wird auf eine Reise in das Jenseits oder eine andere Dimension, die sog. Anderwelt, gezogen, wobei das Umfeld der echtrai grösstenteils heidnisch geprägt ist. Besonders die Darstellung der Inseln in der Navigatio reflektiert diese Vorstellungen der Anderwelt, die in vielen irischen Erzählungen dieser Gattung zu finden sind.27
Von den Kelten zur Christianisierung Irlands
Noch vor der Christianisierung begann ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. der Einfluss der Kelten auf Irland. Sie gelangten von Frankreich auf die britischen Inseln und trafen dort auf eine bestehende Vielfalt von Bräuchen und Traditionen, die von den bronze- und eisenzeitlichen Kulturen geprägt waren.28 Statt diese zu verdrängen, begegneten sie ihnen mit Respekt und Offenheit. Die Kelten integrierten ihre eigenen Riten in die einheimische Kultur, indem sie lokale Volksbräuche mit ihren Traditionen verknüpften. Dadurch entstand eine neue, gemeinsame Kultur, die Elemente beider Kulturen in sich vereinte und die Grundlage für die spätere Entwicklung Irlands legte.29
Gegen 150 v. Chr. war die keltische Besiedlung der britischen Inseln weitgehend abgeschlossen. In den Jahren 55 und 54 v. Chr. landete Gaius Julius Caesar mit seinen römischen Legionen in Britannien und integrierte die britische Hauptinsel, die etwa dem heutigen England entspricht, in das römische Herrschaftsgebiet. Infolge dieser Ereignisse fanden später auch die ersten Christen ihren Weg auf die britischen Inseln.30 Gleichzeitig wurden die keltischen Stämme durch Migrationen und den römischen Druck aus Britannien nach Irland verdrängt, wo sie die weitere Besiedlung der Insel massgeblich prägten.31 Während die Römer Britannien besetzten und im 2. Jahrhundert n. Chr. den Hadrianswall errichteten, um ihr Territorium im Süden von den nördlichen Gebieten, dem heutigen Schottland, abzugrenzen, blieb Irland unabhängig. Irland teilte mit Schottland das Weiterbestehen heidnischer Religionen, während der Süden Englands zunehmend christianisiert wurde. Zu dieser Zeit war die Religion in Irland geprägt von Naturverehrung, insbesondere von wasserbezogenen Kultstätten wie Quellen. Eine zentrale Rolle spielten die Druiden, die nicht nur religiöse Aufgaben übernahmen, sondern auch in Medizin, Bildung und Wirtschaft tätig waren und engen Kontakt zu den Herrschenden pflegten.32
Im 5. Jahrhundert n. Chr. begann die Christianisierung Irlands, die von England und dem Kontinent ausging. Papst Coelestin I. entsandte 429 den Bischof Palladius, um die Missionierung zu leiten. Über die genauen Erfolge von Palladius ist wenig bekannt, doch nach ihm übernahm Patricius, besser bekannt als der heilige Patrick, die Missionierung Irlands und legte damit den Grundstein für die iroschottische Missionsbewegung. Durch seine Arbeit und seinen Einsatz konnte er das Christentum in Irland fest verankern und die religiöse sowie kulturelle Entwicklung des Landes einleiten, die in den folgenden Jahrhunderten zu einem Zentrum christlicher Gelehrsamkeit und Spiritualität werden sollte.33
Iroschottische Missionsbewegung
Die iroschottische Missionsbewegung des 6. bis 8. Jahrhunderts spielte eine zentrale Rolle in der Ausbreitung des Christentums in Europa und zeichnete sich durch ihre Kombination aus asketischer Hingabe, geistiger Disziplin und missionarischem Eifer aus. Irische Mönche, wie beispielsweise der heilige Brendan, verliessen ihre Heimat, um das Christentum auf dem europäischen Kontinent zu verbreiten. Ihre Mission war nicht nur auf die schnelle Ausbreitung des Glaubens ausgerichtet, sondern fokussierte sich auf eine gründliche und langfristige Bekehrung der Menschen. Sie passten ihre Methode an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten an und gingen behutsam auf die bereits bestehenden religiösen Vorstellungen ein. Ein weiterer markanter Aspekt der iroschottischen Mission war die Gründung von Klöstern und Kirchen in ländlichen Gebieten, fernab der städtischen Zentren. Diese Klöster wurden als unabhängige, autarke Einrichtungen aufgebaut, die es den Mönchen ermöglichten, sowohl ihre religiösen Praktiken als auch das tägliche Leben in enger Verbindung mit der umliegenden Bevölkerung zu gestalten.34
Ein Kernmerkmal der iroschottischen Mission war die Praxis des sogenannten ‚weissen Martyriums’. Viele Mönche verliessen ihre Heimat und führten ein entbehrungsreiches Leben im Exil, um das Evangelium zu verkünden. Ihre Tätigkeit beschränkte sich nicht auf Predigt und Liturgie, sondern umfasste die Gründung von Klöstern, die als Zentren des Glaubens und der Bildung dienten. Besonders in Regionen wie Gallien und dem germanischen Raum spielten sie eine Schlüsselrolle in der Christianisierung, nachdem der Zerfall des Römischen Reiches viele Gebiete in religiöse und kulturelle Unordnung gestürzt hatte.
Die iroschottischen Missionare verbanden keltische Traditionen mit römisch-christlichen Einflüssen und schufen so eine eigenständige spirituelle und kulturelle Identität. Ihre Klöster wurden nicht nur zu geistigen Zufluchtsorten, sondern auch zu Bildungsstätten, die entscheidend zur Schriftkultur und zur Weitergabe von Wissen beitrugen. Besonders bemerkenswert war die Integration lokaler Traditionen in die christliche Praxis, was die Akzeptanz des Christentums förderte und die kulturelle Vielfalt der europäischen Kirche bereicherte.35
Dennoch waren die Missionare mit Herausforderungen konfrontiert. Neben der Auseinandersetzung mit paganen Kulten kam es auch zu innerkirchlichen Konflikten, wie beispielsweise dem Osterstreit, der die liturgischen Unterschiede zwischen der keltischen und der römischen Kirche offenlegte. Zusätzlich trugen die wachsende Macht und der Einfluss der fränkischen Kirche dazu bei, die Bedeutung der iroschottischen Missionare im Mittelalter, insbesondere vom 9. bis 11. Jahrhundert, zu verringern. Trotz ihres schrittweisen Niedergangs hinterliess die iroschottische Mission einen bleibenden Einfluss. Ihre kulturellen und theologischen Beiträge prägten die europäische Kirche und die von ihnen gegründeten Klöster sowie die verfassten Schriften trugen zur intellektuellen und spirituellen Tradition bei.36 So ist die iroschottische Mission nicht nur ein Beispiel für die Dynamik frühmittelalterlicher Verbreitung des Christentums, sondern auch ein Zeugnis für die kreative Kraft interkultureller Begegnungen.37
An dieser Stelle soll beispielhaft der heilige Gallus erwähnt werden. Gallus war ein irischer Missionar, der im Zuge der iroschottischen Bewegung nach Europa kam. Als Gefährte des heiligen Columban erreichte er den Bodensee und das Gebiet um Zürich, wo er trotz Widerständen die Bevölkerung missionierte. Nachdem er erkrankte, liess sich Gallus in der Region der heutigen Ostschweiz nieder. Dort gründete er 612 mit seinen Gefährten das Kloster St. Gallen, das sich aus bescheidenen Anfängen zu einem bedeutenden geistigen Zentrum entwickelte. Gallus ist insbesondere für seine Frömmigkeit bekannt und gilt bis heute als Schutzpatron der Stadt und des Bistums St. Gallen.38
Askese und Martyrium
Die Askese spielte in der irischen Kirche und den Klöstern eine zentrale Rolle und prägte deren Identität massgeblich. Enthaltsamkeit wurde als Tradition bewahrt, wobei der Grad der Strenge variierte. Ein beeindruckendes Beispiel ist Skellig Michael, eine abgelegene Insel, auf der Mönche in bienenkorbähnlichen Zellen lebten. Dort widmeten sie sich in extremer Abgeschiedenheit dem Gebet und der Askese, versorgten sich selbst und lebten in einer kargen Umgebung.
Die asketische Lebensweise äusserte sich im Alltag durch Minimalismus, etwa bei der Ernährung, die oft nur eine spärliche Abendmahlzeit umfasste. Schweigezeiten hatten einen meditativen Charakter, um innere Einkehr zu fördern. Psalmengebete, begleitet von bestimmten Bewegungen, wie dem Ausbreiten der Arme in Kreuzesform, langen Nachtwachen, Kniebeugen oder Stehen in eiskaltem Wasser gehörten ebenfalls zur Askese. Diese strengen Übungen förderten die moralische Disziplin der Mönche und halfen, den geistigen Fokus zu wahren und Versuchungen zu widerstehen.39
Während der Fastenzeit wurde die Lebensweise noch rigider und die Nahrung auf ein Minimum reduziert. Obwohl die drastischsten Formen der Enthaltsamkeit teilweise auf Ablehnung stiessen, hatten sie eine grosse Anziehungskraft, nicht nur durch die Kirche, sondern auch durch philosophische Strömungen wie Stoizismus, die Askese als Tugend propagierten. Besonders bei den höheren Gesellschaftsschichten, die stark von philosophischem Gedankengut geprägt waren, trug die Askese zur Akzeptanz des Christentums bei.40
In diesem Kontext lässt sich auch das Konzept des Martyriums betrachten, das in verschiedenen Formen der christlichen Tradition eine bedeutende Rolle spielt. Der Märtyrer wird durch die Bereitschaft definiert, für seinen Glauben einzustehen und diesen durch sein Handeln oder Leiden zu bezeugen. Das Martyrium kann in der Entwicklung des Christentum in zwei Phasen unterteilt werden. In der ersten Phase galt das Martyrium vor allem als ‚Blutzeugnis’, bei dem der Märtyrer durch Tod, Folter oder Gewalt aufgrund seiner religiösen Überzeugung leidet. Diese Zeit war geprägt von Verfolgung und der Bereitschaft, den physischen Tod zu erleiden, wie es bei den frühchristlichen Märtyrern der Fall war, die ihren Glauben trotz äusserster Qualen nicht verleugneten. Mit der Zeit, als das Christentum zunehmend in der Gesellschaft akzeptiert wurde, wandelte sich das Verständnis des Martyriums. In der zweiten Phase trat das Martyrium als ‚Lebenszeugnis’ in den Vordergrund, bei dem der Märtyrer nicht mehr (nur) durch den physischen Tod, sondern auch durch die Entsagung weltlicher Freuden und das Streben nach spiritueller Vollkommenheit zeugt. Diese Form des Martyriums betont die tägliche, freiwillige Ablehnung irdischer Verlockungen und die Hingabe an ein Leben im Einklang mit christlichen Idealen, was als ein fortwährender, spiritueller Kampf zu verstehen ist.41
Eine besondere Erweiterung dieses Konzepts zeigt sich in der keltischen Spiritualität, insbesondere in der irischen Tradition, die das Martyrium in drei hierarchische Kategorien unterteilt: rotes, weisses und grünes Martyrium. Das weisse Martyrium bestand darin, die vertraute Umgebung, einschliesslich des Klosters, hinter sich zu lassen. Dieses Martyrium basierte auf der Idee des ‚Freimachens für Christus’. Durch die bewusste Loslösung von Ablenkungen, das Akzeptieren von Entbehrungen, wie der Trennung von der Heimat, und dem Entsagen von rechtlichem Schutz sollte eine tiefere Verbindung zu Gott ermöglicht werden.42
Das grüne Martyrium hingegen zeichnet sich durch das Verlassen der gewohnten menschlichen Gesellschaft aus, um ein Leben in völliger Abgeschiedenheit zu führen. Grüne Märtyrer suchten Orte abseits des sozialen Lebens, wie abgelegene Berge oder einsame Inseln, und verzichteten auf jegliche Annehmlichkeiten und weltliche Vergnügungen. In dieser Isolation widmeten sie sich dem Gebet, der Meditation und dem Studium der heiligen Schriften, ähnlich den Anachoreten und ägyptischen Wüstenvätern. Dieses Streben nach spiritueller Reinheit und Nähe zu Gott durch die Trennung von der Gesellschaft stellte eine Form der Hingabe dar, die den inneren Kampf gegen weltliche Versuchungen symbolisierte.43
Die kulturelle Praxis des grünen und weissen Martyriums spiegelt sich auch in der Navigatio wider. In der Erzählung wird gezeigt, wie Brendan, seine Begleiter, aber insbesondere auch andere Figuren asketische Elemente wie das Fasten und das Zurückziehen aus der Gesellschaft praktizieren, um individuelle Hingabe und spirituelle Reinigung zu erlangen. Ein Beispiel hierfür ist die Episode, in der ein Klausner, der sich aufgrund seiner Sünden von der Welt abgewandt hat, beschliesst, seine letzten Tage auf einem Felsen zu verbringen. Dort möchte er sich ausschliesslich vom «Himmelsbrot»44 ernähren, um so Busse zu tun.45 Die Entsagung von weltlichen Bedürfnissen und die Bereitschaft, sich den physischen und geistigen Herausforderungen der Reise zu stellen, deuten auf eine bewusste Einbindung dieser keltisch-christlichen Formen des Martyriums hin.
Schlussbemerkung
Die Gestalt des heiligen Brendan und die Navigatio Sancti Brendani stehen beispielhaft für die enge Verbindung von historischer Realität und literarischer Imagination im Mittelalter. Als Abt, Missionar und Heiliger verkörpert Brendan die Ideale der Christianisierung Irlands wie auch der iroschottischen Missionsbewegung, die sowohl asketische Hingabe als auch kulturelle Offenheit vereinte. In der Navigatio erscheint er als Mischung aus historischer Person, hagiographischer Figur und deren späterer literarischer Ausdeutung. Dabei fasziniert die Navigatio als literarisches Produkt durch ihren Reichtum an kulturellen und historischen Motiven bis heute. Sie zeugt von der Bedeutung mittelalterlicher Erzählkunst für die Vermittlung von Glaubensvorstellungen und bietet gleichzeitig einen Einblick in die Denk- und Vorstellungswelt der damaligen Zeit. Brendan und seine Erzählung bleiben damit ein lebendiges Zeugnis für die Kraft religiöser Narrative, Brücken zwischen Geschichte, Glauben und Kultur zu schlagen.
c) Nachleben der Navigatio Sancti Brendani und des heiligen Brendans
Thematische Einführung
Die Navigatio Sancti Brendani und die Figur des heiligen Brendan haben über die Jahrhunderte hinweg einen tiefgreifenden Einfluss auf die Literatur, Kartographie und religiöse Praktiken ausgeübt. Im Folgenden soll ein Überblick über das Nachleben dieser Geschichte, der Navigatio, und des heiligen Brendans gegeben werden, mit besonderem Fokus auf den Brendan- Orte im iroschottischen Gebiet, der Verehrung des Heiligen, der Darstellung und Diskussion der sog. Insel des Heiligen Brendan sowie der moderne Rezeption durch den britischen Abenteurer und Historiker Tim Severin.
Entstehung und Nachleben der Navigatio und die historische Figur «Brendan»
Ab dem Hochmittelalter wurde die Navigatio in Benediktiner- und Zisterzienserklöstern als allegorischer Text gelesen, in welchem der spirituelle Wert der Gehorsamkeit und die Suche nach der göttlichen Weisheit aufgezeigt wurden.46 Die Faszination der Navigatio ging aber weit über die Klöster hinaus. So wurde die Geschichte in vielen volkssprachlichen Adaptionen verbreitet und sogar von bedeutsamen Denkern des Mittelalters wie Vizenz von Beauvais, welcher zwischen 1184 und 1264 lebte, kritisch kommentiert.47 Darüber hinaus gibt es in der Forschungsliteratur Hinweise darauf, dass die Legende der Navigatio auch als missionarisches Werkzeug gebraucht wurde, um den christlichen Glauben an entfernten Orten überall in Europa zu verbreiten.48 Unter der Perspektive der Literaturwissenschaft zeigt sich die Relevanz und das Nachleben der Navigatio in ihrer Adaption in der mittelniederdeutschen Version Van Sunte Brandanus, welche besonders entlang der Küsten Norddeutschlands verbreitet wurde.49
Einfluss Brendans: Brendan-Orte im iroschottischen Gebiet
Der Einfluss der heiligen Brendans zeigt sich bis heute in zahlreichen Ortsnamen und religiösen Stätten im iroschottischen Raum. In seiner Heimat Irland etablierte er mehrere Klöster, darunter eine bedeutsames Gründung in Clonfert, das vermutlich ab 577 florierte. In Annaghdown gibt es ein weiteres Kloster, speziell für Nonnen, welches den Namen Brendans trägt. Dabei entstand das Kloster für die Schwester von Brendan, Brig. Ausserdem gibt es noch ein wichtiges Kloster in Ardfert, heute die Sankt-Brendan-Kathedrale von Ardfert. Über die Entstehung dieses Klosters ist wenig bekannt, jedoch soll auch hier Brendan der Heilige im 6. Jahrhundert das Kloster gegründet haben.
Auch der Mount Brandon in County Kerry, einer der höchsten Berge Irlands, ist nach dem Heiligen benannt; im Mittelalter lag dort ein bedeutender Pilgerort. Der Mount Brandon weist jedoch auch in die vorchristliche Vergangenheit Irlands, da in den irischen Mythen erzählt wird, dass der Berg der Sitz des Fruchtbarkeitsgottes Crom Dubh sei.50 In speziellen Festen der irischen Gesellschaft wurde der Berg verehrt. Der heilige Brendan soll laut den Erzählungen zeitweise auch am Berg gelebt haben und von diesem Punkt aus seine Seereise angetreten haben.51 Diese geografische Verankerung Brendans steht in einem engen Zusammenhang mit der irischen Praxis der peregrinatio, einer eremitischen Wanderbewegung von irischen Mönchen zur Zeit Brendans, welche im frühen Mittelalter ihren Höhepunkt erreichte.52 Diese Bewegung spiegelt die Vielzahl der Klöster wider, welche Brendan zugeschrieben wurden.
In dem Gebiet des heutigen Schottlands finden sich ebenfalls Hinweise auf den Einfluss des heiligen Brendans. Insbesondere zeigt sich dies in Form von Ortsnamen. Beispiel dafür sind Ortsnamen wie Kilbrandon, heute eher als Kilbrannan-Sund bekannt, ein Uferabschnitt in Westschottland, der von Irland aus gut zu erreichen war. Der Name stammt auch hier vom heiligen Brendan, welcher dieses Gebiet in seinen Seefahrten bereiste. Diese Ortsnamen werden heute vor allem sichtbar, wenn man den Begriff «St. Brendan» in verschiedenen Karten-Datenbanken abruft: Bis heute sind viele Kirchen, Spitäler und Kathedralen unter dem Namen des Heiligen bekannt53 und zeugen von seiner ungebrochenen Popularität.
Verehrung des Heiligen
Brendan wurde in seiner Heimat Irland als Heiliger verehrt. Diese Verehrung verbreitete sich aber auch über Schottland und Wales aus, sodass Brendans Gedenktag, der 16. Mai, in vielen Regionen gefeiert wurde. Das von ihm gegründete Kloster in Clonfert entwickelte über die Jahre spirituelle Bedeutung und wurde zu einem religiösen Zentrum, welches Pilger und Gläubige aus verschiedenen Teilen Europas anzog. In Kirchen entlang der Nordsee wurden Altäre zu Ehren des heiligen Brendan errichtet. Wichtige Beispiele dazu waren die Altäre in der Franziskanerkirche St. Peter in Lübeck (Deutschland) und in der Kirche St. Gillis in Brügge (Belgien).54 Diese zeigen ihn oft mit einem Feuerhaken oder einer brennenden Fackel, was ein Symbol für Schutz und Reinigung darstellt.55 Bemerkenswert ist, dass Brendan nicht nur im christlichen Kontext verehrt wurde, sondern wie schon bemerkt, auch hinsichtlich der irischen Mythologie eine wichtige Rolle spielte, sodass bestimmte Mythologeme oft mit seinen Seereisen verbunden wurden. Durch den Konnex von christlichen und paganen Elementen verstärkte sich die Bedeutung Brendans. Somit wird er in einigen Regionen nicht nur als Heiliger gefeiert, sondern auch als Held, dessen Seereisen die Grenzen zwischen Glauben und keltischer Mythologie verschmelzen lassen.
Auf dieser Grundlage trug auch die Navigatio dazu bei, dass der heilige Brendan als Seereisender verehrt wurde, den Beinamen «The Navigator» erhielt und seine Verehrung im Spätmittelalter besonders für Seeleute und Reisende eine grosse Rolle spielte. Die Verbindung von Brendan mit diesen Personengruppen mag auf eine deutsche Volksetymologie zurückzuführen sein, welche Brendan mit dem deutsche Wort Brand (Feuer) assoziierte.56
Brendans Insel
In der Navigatio Sancti Brendani wird von den Entdeckungen berichtet, die Brendan und seine Gefährten während der Reise machten. Erzählt wird u.a. von einer paradiesischen Insel, welche in den späteren Jahrhunderten als die «Saint Brendan’s Island» oder «Sankt-Brendan-Insel» bekannt wurde. Heute ist diese Insel als Phantominsel erkannt, die zwar in historischen Karten vorkommt, jedoch nach heutigem Wissensstand nicht existiert.57 Diese legendäre Insel Brendans galt als paradiesischer Ort im Atlantik und wurde ein zentrales Motiv der mittelalterlichen Kartographie. In diesen Karten, beispielsweise der Hereford-Mappa-Mundi Karte und der Erbstorf-Karte, erscheint diese Insel Brendans oft westlich von Europa, irgendwo am Rande der bekannten Welt verortet im Atlantik.58 Mit der Entwicklung der mathematischen Kartographie im 14. und 15. Jahrhundert wurde das Verorten der Sankt-Brendan-Insel immer schwieriger, aber kartographische Einträge der Insel hielten sich bis ins 18. Jahrhundert hinein59. Es zeigte sich die Tendenz, solche unbekannte Orte auszulassen oder als unauffindbar zu deklarieren. Dennoch wird vermutet, dass Kartographen des 14. und 15. Jahrhunderts aus mittelalterlichen Karten diese Inseln auf ihre Weltkarte aufnahmen, was die Verschmelzung von Mythos und Geographie erklären könnte.60
Das stetige Wiederaufkommen von Orten, wie der Sankt-Brendan-Insel als Phantominsel, die nicht auffindbar ist und deshalb immer weiter an den Rand der bewohnten und kartographierten Welt gedrängt wird, kann als eschatologisches Symbol betrachtet werden, welches seine Wurzel im Mittelalter hätte. Die Lage der Sankt-Brendan-Insel am westlichen Rand der Weltkarten könnte als Verweis auf das Ende der Zeit und die Nähe zum göttlichen Paradies interpretiert werden. Hier schwingt auch das Symbol der Erlösung mit. Diese religiöse Verbindung zwischen Raum und Zeit wurde vermutlich durch die mittelalterliche Praxis des geistigen Nachvollzugs verstärkt, was den Lesern der Navigatio ermöglichte, Brendans Reise als spirituelle und religiöse Erfahrung zu verstehen.61
Moderne Rezeption: Tim Severin auf Brendans Reiseroute
Der Einfluss und das Nachleben Brendans setzt sich auch in der modernen Zeit fort. Der britische Abenteurer, Historiker und Schriftsteller Tim Severin (1940-2020) war bekannt für seine nachgestellten Reisen von historischen Persönlichkeiten. Er versuchte, die historischen Reisen mit seinem experimentalarchäologischen Vorgehen zu überprüfen. Ihm war daran gelegen, die Glaubwürdigkeit von historischen Reiseberichten zu bekräftigen; als Experimentalarchäologe versuchte Severin die historische Reisen durch praktische Experimente nachzuvollziehen und damit zu beweisen, dass die Routen und Entfernungen für vormoderne Transportmittel zu bewältigen waren.
Zu seinen Expeditionen gehörte auch der Nachvollzug der Legende des heiligen Brendans und seiner Seefahrt, welche in der Navigatio geschildert wird. Tim Severin organisierte dafür ein grosses Projekt, welches 1976 mit der Rekonstruktion des Boots vom heiligen Brendan begann. Ihm war es wichtig, dass das Boot mit traditionell irischer Handwerkskunst gefertigt wurde, um den Bezug zum Original zu erhalten. Zudem hielt er sich an die Beschreibungen in der Navigatio. Mit dem so entstandenen Lederboot, auch «Currach» genannt, segelte er auf der historischen Route des heiligen Brendans von Irland über den Atlantik bis nach Neufundland.62 Tim Severin ging mit seinem Forschungsansatz davon aus, dass es sich bei der «Sankt-Brendan-Insel» aus der Navigatio eigentlich um Neufundland handeln könnte; damit würden die Beschreibungen der paradiesischen Insel mit denen aus dem Kreis der sog. Vinland-Sagas um Erik den Roten und seinen Reisen nach Vinland übereinstimmen; das dort beschriebene Vinland trägt ebenfalls paradiesische Züge und ist im heutigen Neufundland verortet, wo auch Siedlungsspuren der Wikinger in L’Anse aux Meadows gefunden wurden. Im Rahmen von Severins Expedition erreichten er und seine Crew Neufundland mit dem nach historischen Vorlagen gebauten Lederboot. Severins Expedition zeigte so, dass es technisch möglich gewesen wäre, dass irische Mönche wie der heilige Brendan bereits vor den Wikingern und vor allem vor Kolumbus Amerika erreicht haben könnten63. Hierbei ist wichtig zu kontextualisieren, dass Severins Arbeit zwar zeigt, dass eine Reise wie die des heiligen Brendan möglich hätte sein könnte, jedoch die historische Authentizität der ursprünglichen Legende trotzdem umstritten bleibt, da Tim Severin beispielsweise die Rückreise nicht unternahm und daher auch nicht dokumentieren konnte. Durch den technischen Fortschritt der modernen Zeit konnte Tim Severin seine «Brendan Reise» filmisch darstellen und so einen Teil der Navigatio Sancti Brendani zum Leben erwecken – er schuf mit diesem Ansatz eine Brücke zwischen historischer Forschung und moderner Abenteuergeschichte.64 Seine Aufnahmen und sein Buch über diese Reise, welche die historische Seereise des heiligen Brendans aufgreift, trugen dazu bei, dass das Interesse an der Legende des heiligen Brendans und der Navigatio Sancti Brendani in der modernen Zeit neu entfachte.
Schlussbemerkung
Wie hier geschildert, haben die Navigatio Sancti Brendani und die historische Figur des heiligen Brendan über die Jahrhunderte hinweg einen nachhaltigen Einfluss auf die Literatur, Kartographie, religiösen Praktiken und Namensgebung von Orten und vor allem Klöstern ausgeübt. Das Ausmass des Nachlebens dieser zwei Aspekte zeigen uns eine Bandbreite von frühen Klostergründungen in Irland und Schottland, wie auch Namensgebung diverser Orte über mittelalterliche religiöse Verehrung zu unterschiedlichen kartographischen Darstellungen bis hin zu modernen Expeditionen wie der von Tim Severin. Dies illustriert, dass die Legende der Seefahrt Brendans und die historische Figur des heiligen Brendans bis heute in vielen Bereichen lebendig geblieben ist und die Menschen weiterhin fasziniert. Brendan spiegelt das menschliche Streben nach Entdeckung, Glauben und dem Verständnis des Unbekannten wider, die als conditio humana einen frühmittelalterlichen Heiligen auch heute noch nahbar machen.
d) Die Navigatio Sancti Brendani als digitale Edition
Thematische Einführung
Der Kurs verfolgte das Ziel, eine digitale kommentierte Übersetzung der Reisefassung M von Brandans Meerfahrt zu erarbeiten. Die Übersetzung soll einerseits als Inspiration und Beispiel für zukünftige Kurse dienen, die ein ähnliches Vorhaben verfolgen. Andererseits soll sie Rezipierenden, die sich für Mediävistik interessieren, den Inhalt von Brandans Meerfahrt (Reimfassung M) verständlich und zugänglich machen.
Der Weg zu einer Edition65
Thomas Bein erläutert in seiner Textkritik, welche Arbeitsschritte erfolgen müssen, um eine Edition erarbeiten zu können. Viele der dort beschriebenen Prozesse mussten für die kommentierte Übersetzung ausgelassen werden – zum einen aus organisatorischen Gründen wie dem knappen Zeitrahmen von einem Semester für das Erstellen des Übersetzungstextes und der Kommentare, zum anderen aber auch aus didaktischen Gründen: Die Teilnehmer*innen des Seminars verfügten zwar über Mittelhochdeutsch-Kenntnisse, hatten aber keine Einführung in die Editionswissenschaften besucht. Schritte zur eigentlichen Herstellung des Textes entfielen damit – gerade die Transkription und das Arbeiten mit den entsprechenden digitalen Hilfsmitteln wie Transkribus oder eScriptorium wären aber für die Lehre besonders lohnenswert.
Vorgehen bei der Erstellung von Übersetzung und Kommentar
Für die Mehrheit der Studierenden war das Erarbeiten einer Edition unbekannt, daher galt Beins Textkritik als Einstieg ins Thema und zugleich als Wegweiser für das weitere Vorgehen. Der von Schröder schon im 19. Jahrhundert hergestellte Text, der nicht mehr modernen Ansprüchen an eine Edition gerecht werden kann und allein deshalb verbesserungswürdig ist, wurde als Grundlage verwendet66, weil diesem seinerzeit keine Übersetzung beigegeben wurde, was für die Herangehensweise hilfreich war. Auf einen Variantenapparat mit unterschiedlichen Lesarten sowie einen expliziten Vergleich zwischen der Prosafassung P, der mittelniederdeutschen Reimfassung N und der bearbeiteten spätmittelhochdeutschen Reimfassung M wurde verzichtet, da unter didaktischer Perspektive die Arbeit am und mit dem Text im Vordergrund stand und die Mittelhochdeutsch-Kenntnisse der Teilnehmer*innen vertieft und anwendungsorientiert zum Einsatz gebracht werden sollten. Daher widmeten sich die Kommentare zur Edition hauptsächlich inhaltlichen Unklarheiten. Dies hat den Vorteil, dass Rezipierende des Textes ohne oder nur mit geringen Mittelhochdeutsch-Kenntnissen und Wissen über die Besonderheiten der mittelalterlichen Literatur einerseits nicht mit zu vielen fachspezifischen Informationen überfordert werden und andererseits der Fokus auf dem Inhalt der Erzählung bleibt. Die Aufgaben der Kursteilnehmer*innen bestand darin, den hergestellten Text von Schröder zu übersetzen und Kommentare dazu zu verfassen. Diese Kommentare bezogen sich einerseits auf den Inhalt, andererseits auf bestimmte, editorische Eingriffe unsererseits, die besonders die Interpunktion betreffen. Die Verarbeitung dieser Übersetzung und der Kommentare in eine digitale Version wurde vom Data Science Lab der Universität Bern angefertigt und erfolgte im EditionCrafter – eine Einführung in dieses Programm konnte im Seminar nicht geleistet werden und war auch nicht als Lernziel definiert.
Übersetzungsprozess
Ein Autor formuliert unter gewissen Vorannahmen über Empfänger (Rezipienten) und Absichten (Intentionen) einen bestimmten Text in der Ausganssprache (AS). Dieser AS-Text gelangt zum Übersetzer, der ihn in seinem vollen Informationsgehalt zu erfassen sucht (decodiert) und dann in die Zielsprache (ZS) überträgt (neu codiert), in der er von weiteren Empfängern verstanden (rezipiert) werden kann.67
Nach diesem Grundsatz richtete sich unsere Übersetzung. So wie im Zitat erwähnt, war der Gedanke an die zukünftigen Rezipierenden des Textes ein wichtiges Kriterium beim Verfassen der Übersetzung. Die ersten 72 Verse der Meerfahrt wurden gemeinsam übersetzt, indem die Teilnehmer*innen in Vorbereitung eine eigene Übersetzung anfertigten, die dann während der Seminarzeit besprochen wurde: Ein bis zwei Studierende präsentierten ihre Version der Übersetzung, die in der Gruppe diskutiert, bewertet und nach Bedarf modifiziert wurde. Wenn sich kein Konsens herstellen liess, wurde abgestimmt, welche Übersetzung den Text am genauesten wiedergab und zugleich so frei wie nötig war. Je nach Übersetzung wurden die Satzstellung oder die Interpunktion abgeändert. Auf diese Art und Weise konnte ein Gefühl für das weitere Vorgehen und den allgemeinen Umgang mit dem Text gestärkt werden. Aus den übersetzten Versen entwickelte sich auch das Stylesheet für die individuellen Übersetzungen, die als Prüfungsleistung von den Teilnehmer*innen anzufertigen waren. Darin legten wir neben den allgemeinen Formalia auch fest, dass in unserer Übersetzung bestimmte mittelhochdeutsche Fachbegriffe kursiv gekennzeichnet und anschliessend in einem Kommentar näher erläutert werden, beispielsweise das Wort «strûchen» in V. 1799.
Um eine stimmige und verständliche Übersetzung bieten zu können, war des Weiteren eine Abweichung von der Interpunktion, die Schröder gesetzt hatte, teilweise notwendig – diese wurde, wo nötig, modernisiert, und sinnunterstützend eingesetzt. Bein erläutert die Funktion der Interpunktion unter diesem Gesichtspunkt: «In einer Edition, […] empfiehlt es sich, eine Interpunktion zu setzen, um dem Benutzer Bezüge, Sinn- und Satzeinheiten deutlicher zu machen.»68 Daraus lässt sich schliessen, dass die Interpunktion die Interpretation und das Verständnis des Textes beeinflussen können. Jedoch ist auch hier wichtig zu erwähnen, dass so wie bei allen Editionen mittelalterlicher Handschriften die Interpunktion nicht als statisches Element angesehen wird und je nach Bearbeiter*in des Textes variiert.69 Wie diese Abänderung der Interpunktion aussieht, wird anhand des folgenden Beispiels erläutert. In den ersten 16 Versen der Meerfahrt erwähnt der Erzähler eine Geschichte aus der Bibel:
Der heilige geist durch sîne gûte,
Der einer eselinne
Gab sô getâne sinne
Daz sie menschlîchen sprach
Dô sie den engel vor ihr sach
Mit einem vüerigen swerte,
Dô sie sich sôhin kêrte,
Daz tet sie hern Balam kunt,70
Der heilige Geist in seiner Güte
gab einer Eselin so beschaffenen
Sinn, dass sie wie ein Mensch
sprach: Als sie den Engel mit [Hervorhebung A.S.]
einem feurigen Schwert vor sich
sah, da kehrte sie sich zu Herrn
Balam um und teilte ihm dies mit.71
Wir entschieden uns, nach dem im Zitat unterstrichenen Wort einen Doppelpunkt einzusetzen, da sich die Stelle während des Lesens als holprig erwies. Ein weiterer Interpunktionsentscheid fiel in V. 4 der Meerfahrt, in dem wir den mittelhochdeutschen Teilsatz «Crist erlûhte mînes herzen ougen» wie folgt übersetzten: «Christus erleuchte meines Herzens Sicht»^72. Dazu wurde ein Kommentar verfasst, in dem unsere editorischen Entscheidungen festgehalten und Alternativen dazu aufgezeigt wurden.
Nach dem Aufteilen der Verse trennten sich die Wege der einzelnen Kursteilnehmer*innen, um die unterschiedlichen Arbeiten aufzuteilen. Während sich eine Präsentationsgruppe ihren Vortragsthemen, die zu Kursbeginn als Einstieg kurz thematisiert worden waren, widmeten, begann die Übersetzungsgruppe mit dem Übersetzen ihre Versabschnitte. Während des Übersetzungsprozesses wurden stets gemeinsam Formalitäten festgelegt. Diese Form der Zusammenarbeit sorgte für ein einheitliches Vorgehen und Gestalten der Übersetzungen. Am Ende der Übersetzung sollen die Texte via Peer-review-Verfahren und durch Frau Strieder nochmals kontrolliert, überarbeitet und angeglichen werden, um eine stimmige Edition zu gewährleisten.
Kommentierungsprozess
Ähnlich wie beim Übersetzungsprozess richteten wir uns bei den Kommentaren nach den gleichen Richtlinien. Die Kommentare sollten so klar und präzise wie nötig formuliert werden, um unserem Zielpublikum zu ermöglichen zusätzliches Wissen zu erwerben. Gemeinsam notierten wir während des Übersetzens, welche Textstellen einen Kommentar forderten. Die unterschiedlichen Kommentare wurden ebenfalls aus Zeit- und Effizienzgründen auf die Kursteilnehmer*innen verteilt. In der gemeinsam erarbeiteten Wissenssammlung wurden schliesslich die unterschiedlichen Anmerkungen zum Text festgehalten. Der erste gemeinsam festgelegte Kommentar befand sich bereits in V. 1 der Meerfahrt. Der Erzähler erwähnt das «herre». Da vermutlich nicht jeder Rezipierende sofort beim Lesen darauf schliesst, dass mit diesem Wort auch ein Standesunterschied impliziert wird, ergänzten wir hier die nötigen Informationen mit den mhd. Wörterbüchern als Quellen. Wie die Kommentare in der digitalen Edition im oder neben dem Text stehen werden, wurde von den Kursteilnehmer*innen nicht festgelegt, da diese Aufgabe vom Data Science Lab übernommen wurde.
In unseren Kommentaren verweisen wir immer wieder auf andere zusammenhängende Kommentare, um die Auseinandersetzung des Rezipierenden mit dem Text zu fördern. Kommentar und Übersetzung werden so zu einem sich ergänzenden organischen Konstrukt, in dem Zusammenhänge klar aufgezeigt werden. Somit sahen diese zusammenhängenden Kommentare wie folgt aus: «V. 12: Balam: auch Bileam genannt, ist der blinde Herr der Eselin. S. Kommentar zu V. 7.»
Herausforderungen
Da das Projekt nur während eines Semesters stattfand, waren uns zeitlichen Schranken gesetzt. Besonders beim gemeinsamen Übersetzen erwies sich dies als grosse Herausforderung, da die Zeit begrenzt war, um die Übersetzungsgrundlage zu erstellen. Beim Übersetzen der restlichen Verse stellte sich bei einigen heraus, dass je länger am Text gearbeitete wurde, die Grenzen zwischen Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch verschwammen, denn mit der Zeit gewöhnte man sich an die mittelhochdeutsche Syntax. Zudem erwies sich das Ermitteln der sprechenden Person im Text als herausfordernd, da viele Pronomina im Text verwendet wurden, die nicht immer direkt dem Sprecher und Empfänger in der Erzählung zugeordnet werden konnten. Eine immer wieder auftauchende Schwierigkeit war, das passendste neuhochdeutsche Wort zu finden. Für eine länger andauernde Diskussion während dem gemeinsamen Übersetzen sorgte vor allem die Stelle, in dem der Wal, auf dessen Rücken Brendan mit seinen Gefährten landet, das erste Mal auftauchte. Das Mittelhochdeutsche Wort ‘swarte’ aus V. 37 der Meerfahrt stand bei der Beschreibung des Wals. Dieses Wort kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Das Mittelhochdeutsche Handwörterbuch von Matthias Lexer schlägt folgende Übersetzungsmöglichkeiten vor: behaarte Kopfhaut, menschliche Haut, Speckhäutlein, u.a.72 Das Mittelhochdeutsche Wörterbuch von Benecke, Müller, Zarncke hingegen schlägt diese Varianten vor: behaarte Haut, Scheitel, u.a.73 All diese Vorschläge wirkten auf uns unpassend, da die Haut eines Wals oft nicht behaart ist, wodurch eine längere Suche nach dem passenden neuhochdeutschen Wort stattfand. Nach einigen Diskussionen und einer Abstimmung einigten wir uns darauf, dass wir ‘swarte’ mit ‘Haut’ übersetzen. Diese sehr kleinteiligen Diskussion sollten dafür sorgen, dass eine gewisse Sensibilisierung für das eigene Übersetzen sichergestellt werden konnte und zugleich ein gesundes ‘Misstrauen’ gegenüber Übersetzungen im Allgemeinen aufgebaut werden kann.
Die digitale Edition
«Digitale Editionen machen historische Dokumente für ein breites (wissenschaftliches) Publikum verfügbar und bilden damit die Basis für weitere Untersuchungen.»74 Dieses Zitat zeigt die Funktion einer digitalen Edition, die auch unsere Edition erfüllen soll. Editionen dienen zudem als Grundlage für weitere Forschung und anderweitigen Verwendungszwecken, denn sie sind leichter zugänglich als gedruckte Editionen75. Durch eine digitale Edition können Kosten reduziert werden. Jedoch wird auch die Arbeit mit und an der Edition für zukünftige Rezipierende durch das digitale Medium erleichtert, denn durch die Eingabe von Schlagwörtern können schnelle Suchergebnisse generiert werden.76
Wie bereits erwähnt, haben wir das Erstellen der digitalen Edition ans Data Science Lab (DSL) übergeben. Das DSL verarbeitet die erhaltenen Übersetzungen und Kommentare mithilfe einer angepassten Version des EditionCrafters.77 Mittels Hyperlinks können Leser des Textes auf die Verweise in den Kommentaren klicken und direkt zu ihnen gelangen. Die digitale Edition ermöglicht somit ein umfangreiches Rezipieren des Textes sowie einen erleichterten Zugang von unterschiedlichen Zugriffsorten.
Schlussbemerkung
Diese Ausgabe ist nicht als endgültiges, unveränderbares Endprodukt. Vielmehr bietet es eine Grundlage für weitere Arbeiten mit Software wie EditionCrafter oder dem TEI-Publisher78 und kann als Unterrichtsstoff in weiterführenden Schulen genutzt werden. Denn die Reise des Heiligen Brendan ist und bleibt eine kulturell wertvolle Erzählung. Sie lässt einen breiten Interpretationsspielraum zu und ist mit vielen anderen Texten verknüpft, wodurch sie durchaus attraktiv für wissenschaftliche Arbeiten ist. Unsere Edition soll zukünftigen Editor*innen, Rezipierenden, Schüler*innen und allen Interessierten als Inspirationsquelle für weiterführende Arbeiten und Ideen zu diesem Thema dienen.
Literaturverzeichnis
Primärtext
Sanct Brandan. Ein lateinischer und drei deutsche Texte. Besorgt von Carl Schröder. Besold 1871. (Digitalisiert von der University of Toronto, verfügbar über archive.org).
Hilfsmittel
Benecke, Müller, Zarncke: Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23, Wörterbuchnetz, abgerufen am 05.12.2024.
Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23, Wörterbuchnetz, abgerufen am 05.12.2024.
Sekundärquellen
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Bläß, Sandra; Flüh, Marie; Nantke, Julia: „Digitale Editionen". In: forTEXT. Literatur digital erforschen. 2022. URL: Digitale Editionen | forTEXT, abgerufen am 04. Dezember 2024.
Bockmann, Jörn und Sebastian Holtzhauer: St. Brandan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformationen. Eine Einleitung. In: Jörn Bockmann, Sebastian Holtzhauer (Hrsg.): St. Brandan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformationen (= Nova mediaevalia. Band 24). V&R 2022, S. 1–19.
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Ward, William: “The first white man to visit America” – St. Brendan in the nineteenth Century. In: History Ireland, Vol. 29, Nr. 5 (2021), S. 30–33.
Weidner, Katja: Navigatio sancti Brendani – Die Seereise des heiligen Brendan. Herder, 2022.
Weidner, Katja: Im Kloster zur See. Eine historische Lektüre der ‚Navigatio S. Brendani’ im geistigen Nachvollzug. In: Jörn Bockmann, Sebastian Holtzhauer (Hrsg.): St. Brandan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformationen (= Nova mediaevalia. Band 24). V&R 2022, S. 219–240.
Zaenker, Karl A.: Ein hübsch lieblich lesen von Sant Brandon: A Look at the German Prose Versions and Their Illustrations. In: The Brendan Legend. Texts and Versions. Hg. Von Glyn S. Burgess und Clara Strijbosch. Brill 2006, S. 315-336.
Anmerkungen
Vgl. Hammer, Andreas: Das Buch, die Schrift und der Druck. Die Bildprogramme der Prosa-Fassung der ‚Reise des hl. Brandanˋ in den Handschriften und Drucken. In: St. Brandan in europäischer Perspektive – St. Brendan in European Perspective. Textuelle und bildliche Transformationen – Textual and Pictorial Transformations. V&R 2022, S. 135-166. ↩︎
Vgl. Strijbosch, Clara: Between Angel and Beast: Brendan, Herzog Ernst, and the World of the Twelfth Century. In: The Brendan Legend. Texts and Versions. Hg. Von Glyn S. Burgess und Clara Strijbosch. Brill 2006, S. 265. ↩︎
Vgl. dazu die Verse 165 bis 199 sowie den entsprechenden Kommentar dazu. ↩︎
Vgl. zum Felsen mit Judas V. 936 bis 1092, der Darstellung des Magnetbergs die Verse 305 bis 309, der Insel der neutralen Engel V. 1113 bis 1417 und dem Einsiedler die Verse 356 bis 426. ↩︎
Vgl. zu Brendans Rückkehr und Tod die Verse 1880 bis 1918. ↩︎
Strijbosch, Clara: Searching for a Versatile Saint: Introduction. In: The Brendan Legend. Texts and Versions. Hg. Von Glyn S. Burgess und Clara Strijbosch. Brill 2006, S.1. ↩︎
Ebd.. S. 3. Eine Referenz auf mündliche Vortragsweise liesse sich evtl. schon im zweiten Vers der Meerfahrt identifizieren. ↩︎
Vgl. ebd. S. 2. ↩︎
Zu den Illustrationen besonders der deutschen Prosa-Versionen vgl. Zaenker, Karl A.: Ein hübsch lieblich lesen von Sant Brandon: A Look at the German Prose Versions and Their Illustrations. In: The Brendan Legend. Texts and Versions. Hg. Von Glyn S. Burgess und Clara Strijbosch. Brill 2006, S. 315-336. ↩︎
Vgl. Strijbosch, Versatile Saint, S. 1-2. ↩︎
Vgl. Haug, Walter: The Little Man on the Leaf and the Two Concepts of the Dutch/German Reise. In: The Brendan Legend. Texts and Versions. Hg. Von Glyn S. Burgess und Clara Strijbosch. Brill 2006, S. 85-87. ↩︎
Vgl. Strijbosch, Versatile Saint, S. 2. ↩︎
Vgl. dazu: Haug, S. 85-86. ↩︎
Vgl. Hughes, Kathleen: The Historical Value of the Lives of St. Finnian of Clonard. In: The English Historical Review, Vol. 69, Nr. 272 (1954), S. 353–372, hier S. 361–372. Die zwölf Apostel Irlands bezeichnet eine Gruppe irischer Mönche aus dem 6. Jahrhundert, die als Heilige verehrt werden. Ihre geistige Heimat war das Kloster von Clonard im heutigen County Meath, wo sie unter dem Heiligen Finnian studierten. Von dort aus begaben sich die Zwölf in die benachbarten Regionen und auf den Kontinent, um den christlichen Glauben zu verbreiten. ↩︎
Vgl. Weidner, Katja: Navigatio sancti Brendani – Die Seereise des heiligen Brendan. Herder, 2022, S. 8. ↩︎
Vgl. Daly, Dominick: The Legend of St. Brendan. In: The Celtic Review, Vol. 1, Nr. 2 (1904), S. 135–147, hier S. 138–145. ↩︎
Vgl. Schäfer, Joachim: Brendan „der Reisende". In: Ökumenisches Heiligenlexikon online (16. Juli 2023), Brendan „der Reisende” - Ökumenisches Heiligenlexikon (Abgerufen am 23. November 2024). ↩︎
Vgl. Weidner, Navigatio, S. 10. ↩︎
Vgl. Ward, William: “The first white man to visit America” – St. Brendan in the nineteenth Century. In: History Ireland, Vol. 29, Nr. 5 (2021), S. 30–33, hier S. 31–33. ↩︎
Weidner, Navigatio, S. 7. ↩︎
Bockmann, Jörn und Holtzhauer, Sebastian: St. Brandan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformationen. Eine Einleitung. In: Ders. (Hrsg.): St. Brendan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformation. V&R, S. 9–19, hier S. 12. ↩︎
Noch heute finden sich diese Strukturen in der irischen Literatur wieder, beispielsweise in James Joyce Opus magnum Ulysses, wo Motive von Reise, Suche und Identität – zentrale Elemente der Navigatio – in einen modernen Kontext übertragen werden. ↩︎
Vgl. Weidner, Navigatio, S. 12. ↩︎
Vgl. ebd. S. 12f. ↩︎
Vgl. Swank, Kris: The Child’s Voyage and the Immram Tradition in Lewis, Tolkien, and Pullman. In: Mythlore, Vol. 38, Nr. 1 (2019), S. 73–96, hier S. 74f. ↩︎
Vgl. Dumville, David N.: Echtrae und Immram: Some Problems of Definition. In: Ériu, Vol. 27 (1976), S. 73 – 94, hier S. 74–78. ↩︎
Vgl. ebd. S. 73f. ↩︎
An dieser Stelle werden die Vorzeiterzählungen Irlands beleuchtet, welche drei Intervalle der Besiedlung Irlands widerspiegeln: die Fir Bolg als ursprüngliche Bewohner, die Tuatha de Danann und schliesslich die Milesier. Vgl. Ritter, Thomas: Tuatha De Danann – die geheimnisvollen Götter des altern Irland. In: tabularasa, Zeitung für Gesellschaft & Kultur (7. Juni 2021) Tuatha De Danann – die geheimnisvollen Götter des alten Irland (Abgerufen am 02. Dezember 2024). ↩︎
Vgl. Neuhofer, Stephanie: Die iroschottische Mission auf dem Kontinent. Diplomarbeit der Universität Wien, 2013, S. 5f., https://services.phaidra.univie.ac.at/api/object/o:1297982/get (Abgerufen am 29. November 2024). ↩︎
Vgl. Redaktion Geschichte-Wissen: Die Römer in Britannien. In: Geschichte-Wissen (27. August 2016) Die Römer in Britannien - Geschichte-Wissen (Abgerufen am 05. Dezember 2024). ↩︎
Vgl. Meyer-Sickendiek, Ingeborg: Gottes Gelehrte Vaganten. Auf den Spuren der irischen Mission und Kultur in Europa. Stuttgart 1980, S. 19–30. ↩︎
Vgl. Delius, Walter: Geschichte der irischen Kirche. Von ihren Anfängen bis zum 12. Jahrhundert. De Gruyter 1954, S. 9. ↩︎
Vgl. McNally, Robert E.: Die keltische Kirche in Irland. In: Knut Schäferdiek (Hrsg.), Kirchengeschichte als Missionsgeschichte. Die Kirche des Frühen Mittelalters. Band 2/1. Kaiser 1978, S. 91. ↩︎
Vgl. Neuhofer, S. 67–70. ↩︎
Vgl. ebd. S. 15–27. ↩︎
Vgl. ebd. S. 80f. ↩︎
Vgl. Ebrard, Johann Heinrich August: Die iroschottische Missionskirche des sechsten, siebenten und achten Jahrhunderts und ihre Verbreitung und Bedeutung auf dem Festland. Bertelsmann 1874, S. 602–606. ↩︎
Vgl. Neuhofer, S. 53–56. ↩︎
Vgl. Phillips, Walter Alison: History of the Church of Ireland. From the earliest times to the present day. Vol. 1. The Celtic Church. Oxford UP 1933, S. 183. ↩︎
Vgl. Heinzelmann, Martin: Bischofsherrschaft in Gallien. Zur Kontinuität römischer Führungsschichten vom 4. Bis zum 7. Jahrhundert. Soziale, prosopographische und bildungsgeschichtliche Aspekte. Patmos 1976, S. 186-191. ↩︎
Vgl. Hörner, Petra: Spiritualisierung und Konkretisierung des Martyriumgedankens in der deutschen Literatur des Mittelalters. In: Wolfgang Adam (Hrsg*.): Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte*, Bd. 97 (2003), S.327–348, hier S. 327–329 sowie Hartl, Martina: Martyrium. In: Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (Oktober 2013), Martyrium - www.die-bibel.de (Abgerufen am 24. November 2024). ↩︎
Vgl. Neuhofer, S. 24f. ↩︎
Vgl. McCloskey, Pat: Red, White, and Green Martyrs? In: Ask a Franciscan (23. Mai 2020), https://www.franciscanmedia.org/ask-a-franciscan/red-white-and-green-martyrs/ (Abgerufen am 29. November 2024). ↩︎
Sanct Brandan. Ein lateinischer und drei deutsche Texte. Besorgt von Carl Schröder. Besold 1871, S. 59, V. 372. ↩︎
Vgl. ebd. S. 59, V. 360–381. ↩︎
Vgl. Weidner, Katja: Im Kloster zur See. Eine historische Lektüre der ‚Navigatio S. Brendani’ im geistigen Nachvollzug. In: Jörn Bockmann, Sebastian Holtzhauer (Hrsg.): St. Brandan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformationen (= Nova mediaevalia. Band 24). V&R 2022, S. 219–240. hier S. 222-225. ↩︎
Vgl. Bockmann, Jörn und Sebastian Holtzhauer: St. Brandan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformationen. Eine Einleitung. In: Jörn Bockmann, Sebastian Holtzhauer (Hrsg.): St. Brandan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformationen (= Nova mediaevalia. Band 24). V&R 2022, S. 1–19, hier S. 9. ↩︎
Vgl. ebd., S. 10-11. ↩︎
Vgl. Strijbosch, Clara: Brendan’s Endless Voyage. Late-Medieval Brendan Veneration along the Coasts of the North Sea and the Baltic Sea. In: Jörn Bockmann, Sebastian Holtzhauer (Hrsg.): St. Brandan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformationen (= Nova mediaevalia. Band 24). V&R 2022, S. 195–223, hier S. 196-200. ↩︎
Vgl. Weidner, Im Kloster, S. 220-240. ↩︎
Vgl. Gratzl 2022, S. 54-55. ↩︎
Vgl. Strijbosch, Endless Voyage, S.198-200. ↩︎
Vgl. ebd. ↩︎
Vgl. Strijbosch, Endless Voyage, S. 199-201. ↩︎
Vgl. ebd. ↩︎
Vgl. ebd., S. 201-210. ↩︎
Die letzte Sichtung der Insel des Heiligen Brendan ist Mitte des 20. Jahrhunderts von den Kanaren aus vermeldet worden; es handelte sich um eine Luftspiegelung. Vgl. Rainsford, Cat : In the Canary Islands, a Mysterious Phantom Isle Haunts Local Imagination, abrufbar unter: In the Canary Islands, Saint Brendan's Phantom Island Haunts Local Imagination - Atlas Obscura [16.12.2024] ↩︎
Vgl. Scafi, Alessandro: Saint Brendan’s Island on European Maps (1300–1500). In: Jörn Bockmann, Sebastian Holtzhauer (Hrsg.): St. Brandan in europäischer Perspektive. Textuelle und bildliche Transformationen (= Nova mediaevalia. Band 24). V&R 2022, S. 167– 194, hier S. 168-175. ↩︎
Vgl. u.a. die Karte des Guillaume Delisle von 1707, heute aufbewahrt in der Library of Congress Geography and Map Division, Washington D.C., USA. ↩︎
Vgl. Scafi., S. 175-180. sowie von den Brincken, Anna Dorothee: Das Weltbild des irischen Seefahrer-Heiligen Brendan in der Sicht des 12. Jahrhunderts. In: Cartographica Helvetica: Fachzeitschrift für Kartengeschichte, Bd. 21–22 (2000), S. 17–22, hier S. 17-21. ↩︎
Vgl. Weidner, Im Kloster, S.219-242 sowie Holtzhauer, Bockmann 2022, S. 9-18. ↩︎
Vgl. Weidner, Im Kloster, S. 238. ↩︎
Archäologische Funde, die den Aufenthalt von irischen Mönchen auf Island beweisen, wurden in den 2020er Jahren im Südwesten Islands gemacht. ↩︎
Vgl. Holtzhauer, Bockmann 2022, S. 9-10. ↩︎
Dieses Kapitel stützt sich auf folgende Lektüre: Bein, Thomas: Textkritik. Eine Einführung in Grundlagen germanistisch – mediävistischer Editionswissenschaft. Lehrbuch mit Übungsteil. Lang 2008, S. 99 – 150. ↩︎
Vgl. Sanct Brendan. Ein lateinischer und drei deutsche Texte. Besorgt von Carl Schröder. Besold 1871. ↩︎
Sowinski, Bernhard: Probleme des Übersetzens aus älteren deutschen Texten. Lang 1992, S. 16. ↩︎
Bein 2008, S. 145. ↩︎
Vgl. ebd., S. 146. ↩︎
Unterstreichung A.S. ↩︎
Brendans Meerfahrt. Besorgt von Carl Schröder, übersetzt und kommentiert von Enya Beuggert, Nina Bruhin et al. Digital. o.O 2025. Unterstreichung A.S. ↩︎
Vgl. Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23, Wörterbuchnetz, abgerufen am 05.12.2024. ↩︎
Vgl. Benecke, Müller, Zarncke: Mittelhochdeutsches Wörterbuch. Digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/23, Wörterbuchnetz, abgerufen am 05.12.2024. ↩︎
Sandra Bläß, Marie Flüh, Julia Nantke: „Digitale Editionen". In: forTEXT. Literatur digital erforschen. 2022. URL: Digitale Editionen | forTEXT, abgerufen am 04. Dezember 2024. ↩︎
Vgl. ebd. ↩︎
Vgl. ebd. ↩︎
Vgl. Loosli, Ursula, and Gero Schreier. Universitätsbibliothek Bern. IIIF- Und TEI-Publisher Services. N.p., 2024. Web. ↩︎